Ein Filmtheater oder Theaterfilm (ca. 20 Minuten)
Im Rahmen des Theater-Pilotprojektes von Dr. Ganguly (HVD Humanistischer Verband Deutschland) haben LebenskundelehrerInnen nach ihrem Studium die Möglichkeit, unter professioneller Anleitung mit Kindern und Jugendlichen zu existentiellen Themen des Lebens Theaterstücke zu erarbeiten.
Das Stück „Kinder und Straßen" wird gespielt von 12 SchülerInnen der 5ten sowie 6ten Klassen der Richard Grundschule und stellt sozusagen Lebenskunde mit dem Schwerpunkt Rollenspiel/ szenische Darstellung/ Theater dar.
Unsere SchülerInnen leben und lernen in Neukölln rund um den Richardplatz. Sie gehören zu jenen, über die nicht erst seit Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab" viel geredet und geurteilt, jedoch wenig nachgefragt und wenig zugehört wird. Die Humanistische Theatergruppe bietet unseren SchülerInnen eine Möglichkeit, über wichtige Themen zu diskutieren und diese szenisch umzusetzen. Ein Miteinander kann nur gelingen, wenn wir alle uns mit unseren Wünschen, Rechten und Pflichten auseinandersetzen. Das Recht, Rechte zu haben, sollte für alle gelten - unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter und sozialer Lage. Diese Arbeit möchte einen Beitrag dazu leisten und dabei auch die besonderen Ressourcen der Kinder (z.B. Mehrsprachigkeit) wertschätzen und einsetzen.
Das Thema Gerechtigkeit sowie die zyklische Auseinandersetzung mit den Kinder- und Menschenrechten stellen einen zentralen Aspekt der Humanistischen Lebenskunde dar.
Die SchülerInnen entwickelten im Laufe des Schuljahres die Texte und Szenen größtenteils selbst und haben das Erste Menschenrecht in vielen verschiedenen Sprachen (türkisch, albanisch, arabisch, kroatisch und deutsch) gesprochen.
Zu unserem Leben in Berlin, respektive Neukölln fiel den Kindern die erste Szene ein, die wir draußen vor der Schule gefilmt haben. Die Gewalt und Respektlosigkeit, die Kinder manchmal untereinander an den Tag legen und unter der sie aber auch leiden, führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit „Täter-Opfer" Rollen und der Darstellung derselben.
Einige der SchülerInnen der Theatergruppe haben bereits an einem Aktionstag „Straßenkind für einen Tag" (terre des hommes) 20.11.2009 teilgenommen und hatten den Wunsch, das Leben dieser Kinder nachzuspielen, bzw. haben eine kleine Szene des Aktionstages weiter ausgebaut. Dies wurde dann unsere 2. Szene im Stück, die auch auf der Bühne gespielt wurde.
Szene 3, die Zukunftsfrage „20 Jahre später" stellt die Zusammenführung der beiden ersten Szenen dar. Die Frage, „wie will ich leben/ wie werde ich leben?" wurde gestellt, mit der Aufforderung, sich in die Situation hineinzuversetzen - sowohl in jene der Straßenkinder, als auch in die der eigenen. Diese Szenen werden als Interviews dargestellt mit einem Kommentar einer Lehrerin.
Die Idee für diese Szene entwickelte eine der Schülerinnen spontan während der Proben für die 2.Szene.
Da wir nicht mit fertigen Texten gearbeitet haben, sondern diese Szenen jeweils bei den wöchentlichen Proben ent- und weiterentwickelten, wurde sowohl improvisiert als auch den Kindern eine große Konzentrationsfähigkeit zugemutet, weil sie sich hochkonzentriert abstimmen mussten, um nicht z.B. alle gemeinsam auf der Bühne zu sprechen.
Fragen, die im Stück „Kinder und Straßen" eine Rolle spielen:
Während in der ersten Szene Gewalt und Ungerechtigkeit im nahen Umfeld (also bei uns in Neukölln) in „Szene gesetzt" werden, bildet der nächsten Akt die Vorstellung der Kinder über ein Leben als Straßenkind in Indien ab.
Zusammengeführt werden diese Bereiche in der dritten Szene, wenn sowohl die Straßenkinder als auch die realen SchülerInnen sich in das Jahr 2030 versetzen und über ihre Hoffnungen und Wünsche sprechen.
Auf die Frage, ob wohl in 20 Jahren alle Menschen das erste Menschenrecht kennen werden, antworten die Kinder spontan mit Nein.
Das Einblenden des Artikel 1 der Menschenrechte soll Denkanstoss sein und Erinnern, es bietet die Möglichkeit zur Diskussion.