Lebenskunde ist ein freiwilliges Unterrichtsfach ohne Zensuren. Es wird an Berliner Schulen und seit dem Schuljahr 2007/08 ebenfalls an Brandenburger Schulen gleichberechtigt neben dem Religionsunterricht angeboten. Von weiteren Humanistischen Landesverbänden ist die Einführung von Lebenskunde geplant.
Lebenskunde orientiert sich an den Erfahrungen, Gefühlen und der Gedankenwelt der Schülerinnen und Schüler. Ihre Lust, die Umwelt und sich selbst zu erleben, sowie ihre Fragen nach dem Sinn des Lebens prägen den Unterricht. Lebenskunde knüpft an das in anderen Fächern erworbene Wissen an. Die Schülerinnen und Schüler werden ermuntert, über sich selbst und die Welt nachzudenken und Standpunkte aus nicht-religiöser, humanistischer Sicht zu entwickeln. Dabei lernen sie auch Gedanken anderer Religionen und Weltanschauungen kennen, denen sie im Alltag begegnen oder die weltweit bedeutsam sind.
Der Lebenskundeunterricht ist für alle Schülerinnen und Schüler offen. Voraussetzung ist eine schriftliche Anmeldung. In der Regel wird Lebenskunde in allen Schuljahren mit zwei Wochenstunden erteilt. Gegenwärtig kann dieses Fach noch nicht an allen Schulen angeboten werden. Der Humanistische Verband setzt sich deshalb gemeinsam mit Eltern für die Finanzierung weiterer Lehrkräfte ein.
Für die Durchführung und Gestaltung des Weltanschauungsunterrichts Lebenskunde sind der Humanistische Verband Deutschlands, Landesverband Berlin e.V. und der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg (HVBB) verantwortlich. Sie qualifizieren die Lehrkräfte, erteilen den Lehrauftrag und üben die Fach- und Dienstaufsicht aus.
Die nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaft HVD hat im Herbst 2004 beim Institut für Demoskopie Allensbach eine repräsentative Studie in Auftrag gegeben. In drei Komplexen der Befragung ging es um:
"Werte erfahren – Leben gestalten"
Humanistische Lebenskunde
Bereich Lebenskunde
Wallstr. 61-65
10179 Berlin
BVG-Routenplaner

Tel. 030-613 904 60
Fax 030-613 904 52
Kontonummer:
Humanistischer Verband Deutschlands,
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 100 205 00,
Konto Nr. 3 136 400
Unser Freund und Kollege Gerd
Eggers ist am 12. März 2011 im Alter von 62 Jahren gestorben.
Er war schon
lange an einer seltenen Krebsart erkrankt und musste mit der Aussicht auf ein
baldiges Ende leben. Als er die deprimierende Diagnose erhielt, erwarteten die Ärzte für ihn nur noch wenige Monate Lebenszeit. Aber Gerd hatte Glück im
Unglück. Die medizinische Forschung entwickelte mehrere Medikamente, die seine
Krankheit in Schach halten konnten. So hat er noch über fünf Jahre leben
können.
Gerd hat sich entschieden wie er die ihm verbleibende Zeit nutzen
wollte. Er verstärkte sogar sein Engagement für einen verbindlichen
Ethikunterricht in Berlin und für das Angebot des "Humanistischen
Lebenskundeunterrichts" in den Bundesländern.
Gerd hatte Erfolg. In
Brandenburg, wo er als Koordinator für den Landesvorstand arbeitete, gelang es,
den Lebenskundeunterricht vor Gericht zu erstreiten. Gerd hatte in den Jahren
bis zu diesem positiven Urteil intensiv die Öffentlichkeitsarbeit betrieben, mit
Politikern Kontakte hergestellt und die Beratungen mit den Rechtsanwälten
begleitet. Wir können sagen, dass es zu einem großen Teil Gerds Arbeit war, die
es heute bereits über 1.000 Schülerinnen und Schülern in Brandenburg ermöglicht
am Humanistischen Unterricht teilzunehmen.
Nach diesem Erfolg widmete er sich
als Bundesbeauftragter des Humanistischen Verbandes der Einführung des
Lebenskundeunterrichts in anderen Bundesländern. Er half die Klagen dazu auf den
Weg zu bringen, hat aber leider nicht mehr die gerichtlichen Entscheidungen
erleben können. Oft haben wir aus Länderverbänden gehört "Wie hätten wird das
alles ohne Gerd hinbekommen?".
Er war trotz allem sehr bescheiden, sah sich
immer als Teil eines Teams, obwohl er oft eine hervorgehobene Rolle
spielte.
Gerds Engagement galt der Sache und nicht seiner eigenen
Anerkennung. Wir haben ihn als grundehrlichen und vertrauenswürdigen Freund
erlebt, bei dem man immer wusste, was er dachte. Mit ihm konnten wir lange
diskutieren, denn Gerd war ein Optimist des vernünftigen Arguments. Seine
Lebenseinstellung drückte sich darin aus, solange über ein Problem gemeinsam
nachdenken zu wollen, bis ein Konsens gefunden wurde. Er ist mit dieser Haltung
auch angeeckt und passte manchmal nicht in jede bürokratische Struktur. So wurde
er in den 1970er Jahren von der Humboldt Universität verwiesen, in der er als
FDJ-Sekretär in Widerspruch zur SED geraten war.
Wir jedenfalls konnten im
Nachhinein immer sagen: "Gut, dass wir Gerds Argumente kennengelernt haben, uns
an ihnen abgearbeitet haben, oder wie meistens, uns von ihnen überzeugen
ließen."
Sein - wohl auch subjektiv empfundener - größter Erfolg war die
Auseinandersetzung rund um den Volksentscheid zum Ethikunterricht in Berlin.
Gerd schrieb den ersten Entschlussentwurf für eine SPD-Abteilung. Dieser Text
wurde zur Grundlage aller weiteren politischen Entscheidungen.
Natürlich war
das Bündnis für den Ethikunterricht eine große Gemeinschaft von Organisationen
und Personen, aber ich glaube sagen zu können, dass alle Beteiligten den Satz
zustimmen würden. "Gerd war die zentrale Person". Er hat zwar eher in der
zweiten Reihe agiert, aber von ihm stammten die Grundsatzpapiere und die
Kampagnenpläne. Er hat wie immer im Team gearbeitet und soviel Menschen wie
möglich daran beteiligt - das war auch eine Grundhaltung seines demokratischen
Selbstverständnisses. Seine Ruhe und seine selbstsichere Gelassenheit haben die
Sitzungen geprägt. Gerd war sehr froh, dass auch religiöse Gruppen sich im
Bündnis für den Ethikunterricht engagierten. Die große Gemeinschaft über alle
weltanschaulichen und religiösen Grenzen hinweg war sein Ziel und er hat dies in
seinem politischen Leben praktiziert.
Als wir dann alle vor dem Fernseher am
Abend des Volksentscheides standen und die Nachricht vom Erfolg gesendet wurde,
brachen alle in Jubel und laute Freude aus. Ich stand neben Gerd. Er lächelte
nur leise. Dann kamen die Glückwünsche. Irgendwie wollte sie jeder Gerd
mitteilen - und wieder war da diese stille, bescheidene Freude bei Gerd, der
schon wieder dabei war, die nächste Pressekonferenz zu planen.
Für ihn war
der Ethikunterricht ein Modell des großen Bündnisses in der Gesellschaft, in dem
gemeinsam gelernt wird sich mit Fragen nach dem Sinn des Lebens zu beschäftigen,
die Bedeutung der Menschenrechte für jeden Menschen kennenzulernen oder über
Religionen und Weltanschauungen nachzudenken. Dieses Gemeinsame war seine
Utopie, die ihn trug und mit der er den Menschen um ihn herum begegnete.
Die
Schulpolitik in Berlin, die säkularen Verbände und die Unterstützer/-innen des
Ethikunterrichts haben einen Freund verloren, dessen Engagement wohl nicht
ersetzt werden kann.
Wir können Gerd Eggers, wie er ruhig lächelt, in
Erinnerung behalten.
Werner Schultz